Essstörungen in der Schwangerschaft stellen eine klinisch relevante, jedoch häufig unerkannte Konstellation dar. Schwangerschaft kann bestehende essstörungsspezifische Symptomatik verstärken, neue Kontrolleinschränkungen und Ängste auslösen oder zu einer erneuten Aktivierung früherer Muster führen. Gleichzeitig erschweren körperliche Veränderungen und der Fokus auf die fetale Gesundheit die diagnostische Einordnung und das offene Ansprechen der Problematik.
Der Workshop vermittelt einen klinisch fundierten Überblick über Erscheinungsformen, Risikokonstellationen und typische Verlaufsmuster von Essstörungen in der Schwangerschaft und Perinatalzeit. Behandelt werden Differentialdiagnostik, Warnsignale im geburtshilflichen und psychosomatischen Setting und kommunikative Zugänge unter Berücksichtigung von Scham, Ambivalenz und Beziehungsdynamiken.<
Ein Schwerpunkt liegt auf der interdisziplinären Kooperation zwischen Gynäkologie, Psychosomatischen Medizin, Hebammenwesen und weiteren beteiligten Berufsgruppen. Anhand klinischer Fallvignetten werden Strategien zur sensiblen Anamnese, zur Einschätzung von Risiko und Behandlungsbedarf sowie zur Weiterleitung in angemessene Versorgungsstrukturen diskutiert.
Ziel ist es, die klinische Aufmerksamkeit für diese häufig verdeckte Problematik zu schärfen und praxisnahe Handlungsempfehlungen für die Versorgung von Schwangeren mit Essstörungen zu vermitteln.

